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26.02.2018 Integrierte Pflegestrategie für das Außerfern – Gemeinden ziehen an einem Strang

REUTTE. Demografischer Wandel und alternde Gesellschaft sind für viele Menschen abstrakte, abgehobene Begriffe.

26.02.2018 Integrierte Pflegestrategie für das Außerfern – Gemeinden ziehen an einem Strang

Die Pflege ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinden. Ohne ausreichend Fachkräfte trifft es am Ende die Bürgermeister, Hand anzulegen (v.l.): Alois Oberer (Reutte), Gottfried Ginther (Vorderhornbach), Verbandsobmann Aurel Schmidhofer und Vinzenz Knapp (Höfen)

Der Wegfall des Pflegeregresses und die Kürzung der Familienbeihilfe für ausländische 24-Stundenbetreuerinnen bescheren dem Thema einmal mehr eine unsanfte Landung. Von 2010 bis 2022 steigt der Anteil der Tiroler Bevölkerung ab 75 Jahren um rund 43%. Mit der Finanzierung eines Pflegesystems für immer mehr betagte Menschen rollt eine enorme Belastungsquelle auf die öffentlichen Haushalte zu. Auch wenn im Bezirk Reutte stärker als in anderen Landesteilen pflegende Angehörige die Einrichtungen entlasten, sind auch hier die Kapazitäten in der stationären, Kurzzeit- und Tagespflege deutlich zu erweitern. Der Streit darüber, wie viel der über den Finanzausgleich verteilten Steuergelder von Bund, Land und Gemeinden zurück in ein funktionierendes Pflegesystem fließen, interessiert die Bevölkerung nur am Rande. Die verschiedenen Formen der Pflege sind aus der Sicht der Betroffenen zu konzipieren und aufeinander abzustimmen. In diesem Sinne beschloss der Vorstand der Regionalentwicklung Außerfern (REA) in seiner Sitzung vom 21.02. eine integrierte, gemeindeübergreifende Pflegestrategie zu erarbeiten. Einzubinden sind hierbei nicht nur die Gemeinden sondern auch die von ihnen getragenen Pflegeeinrichtungen. Inhaltliche und finanzielle Unterstützung kommt von Land Tirol und der EU. Strategischer Ausgangspunkt ist der Strukturplan Pflege des Landes. Zentrale Fragen werden sich um das Wie und Wo der darin geforderten Kapazitätserweiterungen drehen. Eine große Herausforderung besteht auch in der Bewältigung des Fachkräftemangels. Gerade die Altenpflege und dabei wiederum die mobilen Dienste zählen nicht zu den begehrtesten Jobs. Seit der Erarbeitung eines Sozialen Leitbilds vor über zehn Jahren bemüht sich REA um eine Vernetzung aller Pflegeeinrichtungen im Bezirk. In der sogenannten „Pflege-Drehscheibe“ treffen sich die Akteure zweimal im Jahr. Im Oktober 2017 fuhr man gemeinsam nach Feldkirch, um sich aus erster Hand über die Landesstrategie „Aktion Demenz“ zu informieren.  43 Vorarlberger Modellgemeinden bemühen sich mithilfe von Sensibilisierungs- und Fortbildungsmaßnahmen um einen richtigen Umgang mit an Demenz erkrankten Personen. Aus der Pflege-Drehscheibe heraus entstanden zuletzt auch einige LEADER-Projekte zu den Themen Pflegeinformation, Fachkräfteakquise und berufliche Fortbildung. Auch das Ehrenamt ist in der Pflege weiter auszubauen. Unter dem Motto „Engagement trifft Lebenserfahrung“ legt das bei REA angesiedelte Freiwilligenzentrum nun den Fokus auf die Generation 55+. Es gilt, Jungrentner etwa für „Essen auf Rädern“-Einstätze zu motivieren. Für den Ehrwalder Bgm. Martin Hohenegg muss es bei der Weiterentwicklung des Pflegsystems auch darum gehen, über den Tellerrand zu blicken und sich von Best Practice Beispielen in anderen Ländern inspirieren zu lassen. Für REA-Obmann Bgm. Alois Oberer steht fest: „Die Entwicklung eines zukunftstauglichen Pflegesystems ist für die Gemeinden ein großer finanzieller und organisatorischer Brocken. Um diesen zu bewegen, müssen wir gemeindeübergreifend an einem Strang ziehen.“

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